Private Räume – Öffentliche Plätze. Verortung sozialer Aktivitäten in Wien

Gabriele Fröschl, Johannes Kapeller, Rainer Hubert

Es ist auch eine Frage der Perspektive: Öffentlicher Raum – privater Raum! Die eigene Stadt und ihre öffentlichen Bereiche werden von den Bewohnern als Teil der eigenen privaten Welt erlebt – und gerade ihre videografische Dokumentierung kann als Ausdruck solcher „Privatisierung des Öffentlichen“ gesehen werden. Etwas fotografisch oder videografisch festzuhalten, ist auch ein Akt der Besitzergreifung. Die Großstadt und das Agieren in dieser wird in den eigenen persönlichen Raum einbezogen. Es handelt sich im Grunde um eine Ausweitung des Wohnraumes und der Arbeitsumgebung auf die ganze Stadt oder eben auf jene Teile der Stadt, die einem naheliegen: die unmittelbare Wohnumgebung, der Weg zum Arbeitsplatz und dessen Umraum, die Spielstätten der Kinder, Ausflugsorte und jene Teile der Stadt auf die man stolz ist wie auf einen eigenen Besitz. Gerade letzteres – die „Sights“ von Wien – tauchen recht oft in den Privatvideos des Projektes auf – als Kulisse, oft aber auch als eigentlicher Gegenstand der jeweiligen Aufnahme. – Bei sehr vielen Videos des Projektes ist die Stadt vor allem Kulisse, Ort von Ereignissen und Abläufen, die einen interessieren, was Rückschlüsse auf die Motive der Aufnehmenden zulässt und zugleich wichtige Informationen zur Stadtgeschichte vermittelt: politische Demonstrationen, Grätzlfeste, Weihnachtsmärkte, Kinderspiele.
Insgesamt stellen die durch das Projekt gesammelten Videos eine Auswahl dar, die sowohl charakteristisch als auch aussagekräftig und aufschlussreich ist. Das umfangreiche Quellenmaterial – oder besser: eine kleine Auslese davon – wird im Folgenden nach einigen inhaltlichen Kriterien untersucht und gleichsam verortet, wobei damit die Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns aus Privatvideos keineswegs erschöpft, vielmehr nur angedeutet werden können.

Im Grünen

Mit öffentlichen Orten im urbanen Raum sind bestimmte Aktivitäten konnotiert und bestimmte Aktivitäten sind auf ganz bestimmte Orte konzentriert. Viele klassische Orte der Freizeitgestaltung verfügen über eine längere historische Tradition, wie etwa der Prater oder Schönbrunn mit seinem Tiergarten und dem Schlosspark; andere entstehen neu – manche in der Zeit, die den Beginn privater Videoaufnahmen darstellt, wie die Donauinsel.
Die Stadt ist nicht nur urbaner Raum, sondern auch Naherholungsgebiet im Grünen und eine Auswertung der Sammlung des Projektes „Wiener Video Rekorder“ bezüglich der Freizeitaktivitäten der Wiener/innen ergibt einige zentrale Orte der Freizeitgestaltung innerhalb der Stadt.
„Raus ins Grüne“ und die Videodokumentation darüber ist oft mit dem Filmen von Familien, insbesondere von Kindern, verknüpft. Hier sind es vielfach Orte, bei denen der Rückschluss naheliegt, dass schon die Eltern bzw. Groß- und Urgroßeltern mit diesen Plätzen vertraut waren und das Freizeitverhalten gewissen Traditionen innerhalb der Familie folgt.

 

Wien, Alte Donau. Videostill

Wien, Alte Donau. Videostill

Der Prater
Ein solcher Ort der Kindheit und Jugend ist in Wien der Prater, ein zentrales Naherholungsgebiet im 2. Wiener Gemeindebezirk, das 1766 zur allgemeinen Nutzung freigegeben wurde. 
„Fahrradfahren im Prater“, „Fußball im Prater“, „Im Prater am Spielplatz“, „Im Prater auf der Wiese“, „Ausflug in den Prater“ – das sind nur einige der Dokumentationen von Familienaktivitäten im „Grünen Prater“ – einem Ort, der innerhalb der städtischen Naherholungsgebiete aufgrund der Größe der Naherholungsfläche sowie der guten Erreichbarkeit einen zentralen Platz einnimmt. Frühe ephemere Filme über den Prater haben noch Anklänge an Nutzungen des öffentlichen Raums, die ihren Ursprung in der Monarchie haben (z. B. Blumenkorso auf der Prater Hauptallee) oder weisen unter anderem auch auf den Prater als Aktionsort gesellschaftlicher Randgruppen hin.
Die Filme der Sammlung „Wiener Video Rekorder“ beschränken sich im Wesentlichen auf ein Narrativ, das in Darstellung und Erzählweise viele Parallelitäten aufweist: Der Prater als Ort familiärer Freizeitgestaltung, meist mit (kleinen) Kindern. Dieses Narrativ kommt noch stärker im Bereich des sogenannten Wurstelpraters zu tragen, wenn Freizeitaktivitäten im Vergnügungspark zum Gegenstand filmischer Dokumentationen wurden. Hier ist der Prater als Ziel des Sonntagsausflugs ebenso zu finden wie als traditioneller Teil der Feier von Meilensteinereignissen (z. B. Erstkommunion und Ausflug in den Prater). Der Ort tritt hier meist zugunsten der gefilmten Personen in den Hintergrund und wird zur Kulisse, vor der die handelnden Personen agieren. Quantitativ überwiegen die Filme, die dem Vergnügungspark gewidmet sind – sowohl bei Beständen ephemerer Filme bis Mitte des 20. Jahrhunderts als auch bei den Videodokumentationen ab den 1980er Jahren. Die über eine lange Zeitspanne (fast das gesamte 20. Jahrhundert umfassend) relativ hohe Dichte an öffentlich zugänglichen privaten Film- bzw. Videodokumentationen, die den Prater zum Inhalt haben, lassen neben der Forschung an familiären Narrativen auch Forschungen zur Geschichte des Freizeitverhaltens zu – so zur Geschichte der Partizipation gesellschaftlicher Gruppen an Aktivitäten in unterschiedlichen sozialen Räumen, zum sozialen Wandel öffentlicher Räume sowie zu Veränderungen im Stadtbild.

Schönbrunn
Weniger Vergnügungsort, aber ebenfalls ein traditioneller Ort Wiener Kindheit, ist Schönbrunn mit seinem Tiergarten und dem Schlosspark. Der Tiergarten Schönbrunn, 1752 gegründet, wird vor allem mit Kindern besucht (Eltern mit Kindern, Großeltern mit Kindern). Das Verhältnis der Filmmotive Kinder/Tiere ist weitgehend ausgeglichen, diese stehen auch im Zentrum des Interesses – der Ort an sich bleibt Hintergrundmotiv.
Stärker in den filmischen Mittelpunkt rücken Orte bei klassischen Sehenswürdigkeiten, wie dem Schloss Schönbrunn, der im 18. Jahrhundert errichteten Sommerresidenz der Habsburger und dem dazugehörigen Schlosspark. Neben Familienausflügen finden sich hier auch Besichtigungen mit Personen aus dem Freundeskreis, denen man die Sehenswürdigkeiten Wiens zeigt (und denen man eventuell eine Kopie der Aufnahme als Erinnerung an das gemeinsame Erlebnis übergibt). Hier wird der/die Filmende auch zur Tourist/in in der eigenen Stadt und hält klassische Motive von Sehenswürdigkeiten fest (siehe auch weiter unten den Abschnitt zum Thema Stadtbild).

 

Alte und neue Orte des Freizeitvergnügens
Die Donau wird nach der Donauregulierung in den 1870er Jahren und dem Aufkommen des Schwimmsports Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Naherholungsgebiet, in dem sich eine viel genutzte Freizeitindustrie entwickelt. Bootfahren auf der Alten Donau (ein Altarm der Donau im Stadtgebiet) ist ebenso wie das Schwimmen in einem der öffentlichen Strandbäder dieses Areals ein beliebtes Freizeitvergnügen, das auch filmisch dokumentiert wird. Bei den Dokumenten der Sammlung „Wiener Video Rekorder“ rückt bei diesem Ort die Dokumentation der Umgebung stärker in den Vordergrund als bei den anderen beiden oben genannten Orten. Gefilmt wird nicht mehr nur die eigene Familie oder der eigene Freundeskreis, sondern auch die Umgebung bzw. andere Nutzer/innen der Freizeiteinrichtungen. Das Gebiet um die Alte Donau und die in den 1970er und 1980er Jahren errichtete Donauinsel sind auch Beispiele für öffentliche Orte, die in der öffentlichen Wahrnehmung sowie auch im Selbstverständnis mancher Akteure von bestimmten gesellschaftlichen sowie politischen Bewegungen und deren Vorfeldorganisationen besetzt sind. Dokumentiert werden bei den privaten Aufnahmen der öffentliche Raum sowie öffentliche Veranstaltungen – und damit Orte, die auch Bestandteil von öffentlichen Dokumentationen (Fernsehen, Dokumentarfilm) sind. Hier ist der private Blick jene Ergänzung des öffentlichen und veröffentlichten Blicks, die ein Ziel der Sammlungstätigkeit im Rahmen des vorliegenden Projektes war.

Wien, Alte Donau. Videostill

Wien, Alte Donau. Videostill

Politik und Protest im öffentlichen Raum und deren Widerspiegelung in privaten Videoaufnahmen

In privaten Alltagsaufnahmen werden nicht nur private Ereignisse verhandelt. Viele der Aufnahmen können im öffentlichen Bereich verortet werden. Teil dieser Öffentlichkeit sind auch politische Veranstaltungen. Öffentlichkeit allgemein bzw. öffentliche Auftritte von Politiker/innen sind ein grundlegender Teil des politischen Alltags. Demokratiepolitisch relevant sind neben der (Selbst-)Darstellung von Politiker/innen und des politischen Alltags aber auch Protestveranstaltungen für bzw. gegen politische Vorhaben und Entscheidungen im Sinne einer „Gegenöffentlichkeit“.

Welches sind nun Orte der Politik, die in der Sammlung vorkommen?
Einen umfangreichen Bestand innerhalb der Sammlung des „Wiener Video Rekorders“ stellen die zahlreichen Aufnahmen des Videoaktivisten Heinz Granzer dar. Sie bieten eine einzigartige Gelegenheit, wichtige Einblicke in die Geschichte von Videogruppen und deren Versuche zu erhalten, alternative Erzählungen zu den „etablierten“ Bildern zu gestalten (vgl. dazu auch den Abschnitt „Die Funktion einer ‚Gegenöffentlichkeit‘“ im Beitrag von Renée Winter)

Das WUK als Ort der alternativen politischen Debatte
Die Aufnahmen des Bestandes von Heinz Granzer machen Politik vor allem als öffentlichen Diskurs sichtbar und etablieren so das WUK (Werkstätten- und Kulturhaus, ein unabhängiges Kulturzentrum in Wien-Währing) und dessen Organisation mit Hilfe der Aufnahmen von „WUK-Alternativ-Video“ zu einem Ort der öffentlichen politischen Auseinandersetzung.
Von Heinz Granzer wurde auch eine größere Anzahl von Versammlungen im WUK dokumentiert. Diese Aufnahmen sind aus rechtlichen Gründen nicht in Form von Online-Clips verfügbar, sie stehen aber für wissenschaftliche Recherchen in der Mediathek zur Verfügung.

Auch Politikerbesuche im WUK wurden dokumentiert: Der Besuch des damaligen Bürgermeisters Leopold Gratz im WUK und die dabei stattfindenden Diskussionen zeigen Einblicke in die Repräsentation von Politik aus der Sicht der Alternativvideogruppe des WUK. Dieses Dokument wirft auch einen sehr direkten Blick auf die Selbstdarstellung von Politikern. Teil von inszenierten Medienauftritten ist ja ansonsten auch die Kontrolle über die Bilder, die dabei entstehen. Hier verfolgen Privataufnahmen andere Erzählstrategien.
Für weitere Forschungen dazu liegen mit dem Bestand des „Wiener Video Rekorders“ umfangreiche Quellen vor.

00:10:25
Aufbau eines alternativen Kulturzentrums

Renovierungs- und Um­bau­arbei­ten im WUK im Jahr 1982

Orte des Protests und des Widerstandes. Beispiele aus der Sammlung Granzer

Demonstrationen
Heinz Granzer zeichnete auch eine größere Anzahl von Demonstrationen der Friedensbewegung auf Video auf. Neben den „üblichen“ Wiener Demonstrationsrouten und ‑orten entlang des Rings und in der Wiener Innenstadt wurde zum Beispiel auch die Räumung des Kulturzentrums Gassergasse im Juni 1983 umfangreich dokumentiert und platziert diesen Ort (zumindest temporär) auf der politischen Landkarte Österreichs.

Die Dokumentation von „institutionalisierten“ Demonstrationen wie der Ersten-Mai-Demo rückt auch den Ring im Bereich des Rathausplatzes als Schauplatz von politischen Aktionen in den Fokus. Neben dem Ort der Veranstaltung wurde in diesem Beispiel auch eine Rede des Wiener „Stadtoriginals“ und Friedensaktivisten Waluliso festgehalten.

Auch Reisen außerhalb von Wien spielten bei der Dokumentationsarbeit eine Rolle: Verschiedene Demonstrationen der Friedensbewegung wurden mit der Kamera begleitet und in Form von Videodokumentationen präsentiert.

00:34:00
Internationale Solidarität

Demonstrationen gegen den Ra­keten­stütz­punkt in Comiso

Wahlkampf am Stephansplatz
Politische Veranstaltungen im öffentlichen Raum wurden ebenfalls vereinzelt dokumentiert. Ein besonders spannendes Beispiel stellt eine Aufnahme aus dem Bundespräsidentschaftswahlkampf 1992 dar: Eine Wahlkampfveranstaltung des grünen Kandidaten Robert Jungk wurde von dessen Sohn gefilmt. Interessant ist in diesem Fall jedenfalls die Perspektive der Aufnahme, die Veranstaltung am Stephansplatz wurde mit Handkamera teilweise aus der Sicht des Publikums sowie teilweise von der Bühne aufgenommen.

Die Alltagsaufnahmen des „Wiener Video Rekorders“ rücken verschiedene Orte von Politik und politischer Debatten der 1980er bis 2000er Jahre dokumentarisch neu in den Fokus und können zusätzliche und neue Blickwinkel auf historische Erzählungen liefern. Vor allem die Aufnahmen des Sammlungsbestandes von Heinz Granzer stellen einen einzigartigen Materialfundus zur politischen Stadtgeschichte Wiens dar.

Stadtbild und Veränderung des Stadtbildes

Der öffentliche Raum ist oft nur Rahmen für den eigentlichen Gegenstand der Aufnahme, sei es eine Demonstration, seien es Kinderspiele in einem Park. Auch das kann unter Umständen für das Thema Stadtbild wichtig sein, wenn dabei eine Szenerie abgebildet wird, die sonst nicht oder kaum bildlich vorhanden ist.

Darüber hinaus finden sich aber auch zahlreiche Videos, bei denen der öffentliche – hier vor allem städtische – Raum selbst, von den Filmenden gewollt oder nicht, von vornherein eine größere Rolle spielt. Dies gilt etwa besonders für Reisevideos, auch wenn viele von diesen vor allem auf die eigene Anwesenheit in der Fremde fokusieren. Hier aber sollen jene Videos näher in den Blick genommen werden, die den Wiener Stadtraum und seine Veränderungen prominent zeigen.

„Aneignung“ der Stadt
Dabei ist bei manchen dieser Filme offenkundig das Stadtbild selbst die Zielrichtung der Aufnahme – das eigene Umfeld soll in seinem So-Sein oder in seiner Veränderung dokumentiert werden – ein Ansatz, der die sehr spannungsreiche Beziehung von öffentlich und privat ausdrückt: das Öffentliche wird als Teil der eigenen Lebenswelt gesehen und damit „privatisiert“, eine Aneignung des Öffentlichen durch die Videograf/innen.
So wird zum Beispiel ein bestimmtes „Grätzl“ der Josefstadt ins Auge gefasst: kurze Blicke auf einige Hausfassaden, einen Innenhof, Straßenszenen. Von einem anderen Blickwinkel versucht eine Videoaufnahme ähnliches: vom Dach des WUK aus wird dieses und die umgebende Stadt aufgezeichnet. In einem anderen Beispiel wird die Villa Wagner I und ihre Umgebung erkundet und festgehalten.

00:02:27
Besuch in der Josefstadt

Aufnahmen von Häusern und Gassen in der Josef­stadt

Bestimmte Gebäude, Plätze und Raumsituationen werden bewusst dokumentiert, so etwa in einem Video, das von wenigen Blickpunkten aus die Straßensituation vor dem WUK zeigt.
Mit dem Film „Dom in der Donau“ nähert sich die videografische Festhaltung stilistisch und in der sorgfältigen Konfektionierung den Modellen des Kultur- und Dokumentarfilmes.

Veränderungen der Stadt
Dieses „private“ Öffentliche ist freilich in Gefahr, wenn sich das Straßenbild ändert, wenn Gebäude abgerissen, andere neu errichtet werden. Eine offenbar recht attraktive Möglichkeit, mit dieser unter Umständen als Bedrohung erlebten Veränderung umzugehen, ist wohl die Dokumentierung der Veränderung selbst. Dadurch wird auch sie gleichsam „privatisiert“ und einer möglichen Entfremdung gewehrt – wobei dies nur eine Möglichkeit von vielen ist, die Motive für Herstellung von Videos mit dieser Thematik zu erklären.
Bei der Aufnahme vom Bau eines neuen Rauchfanges an der Müllverbrennungsanlage Flötzersteig ist offenkundig das Spektakuläre dieses Hochbaus – die Teile der Kaminröhre von einem Kran herunterhängend – das Hauptmotiv für seine Herstellung. Eine nur zeitweise Veränderung dokumentiert das Video vom „Schwimmenden Steg“ beim Donauinselfest.

00:03:10
Donauinselfest: Schwimmender Steg

Donauinselfest. Es wird dokumentiert, wie Menschen den schwim­menden Steg über die Neue Donau über­queren. Die Kamera bleibt – vermutlich un­ab­sichtlich – einge­schalten, während sich die Kamera­person weiter über die Insel bewegt.

Dies leitet schon über zum Motiv von Straßenaufnahmen aus besonderem Anlass.

Die Stadt als Bühne
Vorübergehende Ereignisse – Feste, Manifestationen, Märkte – und Akzentuierungen der Straßenszenerie aus besonderem Anlass – z. B. Weihnachtsdekoration – sind beliebte Dokumentationsobjekte. Bei Aufnahmen dieser Art tritt freilich meist das Stadtbild zurück gegenüber den Menschen und der Festdekoration.
Dies gilt aber zum Beispiel nicht für das Video vom Bauernmarkt auf der Freyung, das das Stadtambiente recht prominent – und fast mehr als das Marktgeschehen – wiedergibt.
Bei einer antifaschistischen Demonstration auf dem Ring verschmilzt Stadtkulisse und Manifestation. Ähnlich ist es beim Euromarsch von 1997.
Ein beliebtes Sujet in diesem Kontext: Weihnachtsdekoration, z. B. in der nächtlichen Wiener Innenstadt.

00:02:00
Antifa Demo

Bilder von einer anti­faschisti­schen Demonstration am 13. April 1983. In Wien demons­trierten Tausende gegen die Kandi­datur der AUS (der Aus­länder Halt Be­wegung) bei der National­rats­wahl. Heinz Granzer filmte – wie so oft vom Straßen­rand aus – die vor­bei­ziehen­den Menschen.

00:02:08
Euromarsch 1997 in Wien

Am Rande der Kund­gebung gegen die Wirt­schafts­politik der EU filmt die Kamera­person ein Plakat der FPÖ und den Schwarzen­berg­platz.

Spaziergänge und „Sightseeing“
Die Benützung und videografische Erkundung des öffentlichen Raumes erfolgt oft in Form eines Spazierganges. Hier wird die Beziehung öffentlich-privat thematisiert – die Spazierenden und der Raum, in dem sie sich ergehen, werden gleichsam verschmolzen.
Dies wird etwa deutlich beim Spazieren mit der Kamera durch den Weihnachtsmarkt zwischen Burgtheater und Rathaus: Stände und Menschentrauben lassen den Platz fast verschwinden, die beiden großen Bauten sind nur ferne Klammern des Geschehens. Beim Spaziergang durch die Wiener Innenstadt vermitteln die Passant/innen und Geschäfte Zeitkolorit, die Straßenkulisse tritt zurück. Gerade umgekehrt ist es bei einem anderen videografischen Spaziergang durch die Innenstadt. Hier wird offenbar besonderer Wert darauf gelegt, die „Sights“ festzuhalten. Die ähnlich strukturierte Aufnahme eines Spazierganges durch Hietzing lässt ein interessantes Detail erkennen. Der Blick auf das Café Dommayer zeigt den kunstgewerblich recht interessanten Zaun um den „Schanigarten“ des Kaffeehauses, der mittlerweile durch einen neuen ersetzt worden ist.
Mit dem Spaziergang verwandt sind die Motive des Ausfluges und des weiten Ausblickes in die (Stadt-)Landschaft: Ein Blick vom Wilhelminenberg, oder vom AKH aus über die Stadt.

In den hier besprochenen Videos – und in den zahlreichen weiteren des Projektes – spiegelt sich der Umgang von Privatleuten mit dem Wiener öffentlichen Raum, wobei dieser sich zwischen den Polen „Stadt als Kulisse und Bühne“ und „Stadt als Gegenstand des Interesses“ bewegt. Es ist offenkundig, dass hier Quellenmaterial vorliegt, das nach der Interpretation aus sehr verschiedenen Blickwinkeln verlangt und unzählige Informationen zur Stadt und seinen Bewohner/innen enthält.

(Publiziert: 2017)

00:02:19
Ausblick vom Wilhelminenberg

Die Aufnahmen sind während eines Spaziergang beim Schloss Wilhelminenberg entstanden. Sie zeigen den Ausblick über Wien aus westlicher Sicht.

00:12:20
Stadtspaziergang Innere Stadt

Eine Familie spaziert durch die belebten Ein­kaufs­straßen der Innen­stadt Wiens.